Prof Müller ist sicher der strengste Prüfer aus Völkerrecht. Ich war bei allen Prüfern - bis auf Prof. Hummer - zusehen und das hat sich insoweit bestätigt. Die Prüfung ist ganz klassisch aufgebaut: Anders als bei anderen Prüfern ist es nicht wirklich ein Gespräch, sondern ganz traditionell ein Frage-Antwort Spiel. Er ist ruhig und lässt einem genug Zeit zum ‹berlegen. Eine Ausnahme ist (leider) davon, wenn er bereits länger am Prüfen ist. Dann kann er auch manchmal genervt sein. (Bei mir ist das nicht der Fall gewesen, da ich am Vormittag dran war). Grundsätzlich wird man zu zweit oder zu dritt in den Raum gebeten, obwohl er jeden einzelnen separat abprüft. Somit gibt er auch keine Fragen weiter. Ist man fertig, kann man gehen. Er stellt drei voneinander verschiedene Hauptfragen. Dazu kommen jeweils kleinere Nachfragen als Nebenfragen. Ich möchte Ihnen ganz besonders an Herz legen, dass Sie sich nicht verstricken. Denn dann fragt er nach, was Sie damit meinen. Das sollte am besten vermieden werden. Also überlegen Sie genau, wie Sie Ihre Antwort formulieren. Zudem sind ihm die Entscheidungen des IGH wichtig. Diese müssen Sie ñ so Prof Müller nach eigenen Angaben ñ beherrschen. Es sind etwa 20 bis 25 IGH Entscheidungen, die er abfragt. Ihm ist insbesondere Orientierungswissen - bezogen auf die Fälle - wichtig: Wenn er Sie nach den Rechtsgrundlagen fragt und die Antwort darauf Gewohnheitsrecht ist, müssen Sie die einschlägige IGH Entscheidung nennen können. Wenn Sie das nicht tun, fragt er nach, ob es zu dieser Rechtsmaterie Judikatur gibt (und diese gibt es in den allermeisten Fällen, sonst würde er nicht nachfragen). Die Inhalte der Entscheidungen fragt er nur grob. Manchmal bringt er auch Fälle, die Sie lösen müssen. IdR aus tagespolitischen Inhalten. Darum ist es ratsam, zwei drei Wochen vor Prüfungsantritt die (Auslands-)Nachrichten zu lesen. Dann hat man gleich bei der Prüfung einen Vorteil, denn dann ist man vom Fall nicht überrascht, sondern hat ihn schon einmal gehört und vielleicht gar über die Lösung nachgedacht. Bsp sind etwa: Wie sind Hackerangriffe des Staates X völkerrechtlich zu beurteilen? Wie sind militärische Aktivitäten des Staates Z völkerrechtlich zu beurteilen? Diesen Fragen liegen aktuelle Geschehnisse der internationalen Politik zu Grunde.
Des Weiteren würde ich mit dem Lehrbuch von Arnauld lernen. Zwar reicht das dünnere Lehrbuch ÑVölkerrecht verstehenì mehr als nur aus bei Prof Obwexer, bei Prof Müller aber in aller Regel nicht.
Um mich nochmals zu wiederholen: Prof Müller ist sicherlich der strengste Prüfer. (In Europarecht sei er nochmals etwas fordernder). Aber auch bei ihm ist die Prüfung gut zu bestehen, wenn man sich gut darauf vorbereitet hat. Schnellschüsse, wie ein zwei Wochen lernen, mögen vielleicht bei Prof Obwexer möglich sein, sind aber nahezu ausgeschlossen bei Prof Müller. Sollte man gut gelernt haben, sind auch gute Noten durchaus möglich. Die Prüfungsatmosphäre ist auch ganz angenehm, da er ruhig und freundlich ist und einem genug Zeit gibt zum Nachdenken. Dennoch kommt es häufig vor, dass er Sie unterbricht.
Kurz noch zu den anderen Prüfern: Prof Schroeder ist angenehmer als sein Ruf. Die Anforderungen sind verkraftbar. Meiner Einschätzung der zweit-strengste Prüfer. Bei ihm ist von Nachteil, dass er die Fragen weitergibt. Prof Obwexer ist der beste Prüfer ñ aber das ist gemeinhin bekannt.(Er prüft gern die völkerrechtlichen Hintergründe zur Stellung von Südtirol). Von Prof Hilpold würde ich abraten. Zwar ist er ein echt sympathischer Mensch, seine Fragen sind jedoch etwas komisch und gewöhnungsbedürftig: Bsp: Wie lange ist die Frist der Individualbeschwerde an den EGMR? Wann ist das Statut des IStGH in Kraft getreten? Zudem fragt er auch EGMR Entscheidungen. Fragen nach Fristen und Daten sind nun wirklich nicht nötig. Von Prof Hummer kann ich nur aus zweiter Hand berichten: Er ist ganz ok, aber auch nicht mehr. Gute Noten sind schwer zu erlangen bei ihm.
Erfahrungsberichte mit Prüfer_innen
Erfahrungen der Studierenden im Diplomstudium Rechtswissenschaften
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